Artikelarchiv des Ministers Antoniadis

01.09.2016
Minister Antoniadis besucht Ausstellung „Zu Hause leben im Alter – auch mit Demenz“

Beratung für seniorenfreundliches Bauen und Wohnen geplant

Auf der Suche nach Impulsen und neuen Ideen im Umgang mit Demenz blickt die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft auch über den eigenen Tellerrand hinaus. Fündig geworden ist Sozialminister Antonios Antoniadis dabei im benachbarten Jülich (NRW), wo die AOK Rheinland/Hamburg eine Ausstellung einer Musterwohnung für Menschen mit Demenz organisiert hat. Antoniadis war sichtlich beeindruckt von dem Projekt, das zum Abschluss noch eine besondere Probe für ihn parat hielt.

„Länger leben heißt manchmal auch mit Demenz leben. Das ist ebenfalls in Ostbelgien für die Betroffenen und deren Angehörige Fakt. Ein offener und angemessener Umgang mit Demenz sowie entsprechende Angebote sind daher Schlüssel jeder guten Seniorenpolitik – über die Landesgrenzen hinaus“, sagte Antoniadis im Rahmen seiner Sommertour „Selbstbestimmt leben Ostbelgien“ in Jülich. Der Minister war vor Ort, um Ideen für die Demenzstrategie zu sammeln. Diese wird derzeit erstellt und soll im Herbst gemeinsam mit den hiesigen Akteuren weiterentwickelt werden.

 

Mit der Einrichtung der Musterwohnung Demenz habe die AOK Rheinland/Hamburg die Zeichen der Zeit erkannt. Bei rund 69.000 Klienten ihrer Landesvertretung wurde Demenz diagnostiziert, mit einer deutlich höheren Dunkelziffer.

 

Bei der Musterwohnung Demenz handelt es sich um die Nachbildung einer klassischen Seniorenwohnung. Das entsprechende Mobiliar haben die Mitarbeiter auf Flohmärkten, bei Hausauflösungen oder über eBay gefunden.

 

Zwei Ziele stehen im Vordergrund. Einerseits sollen schlechte Beispiele wie scharfe Kanten oder Tischdecken zeigen, welche Gegenstände unbedingt zu vermeiden sind. Hauptsächlich geht es jedoch darum, die Wohnungen mit möglichst einfachen und kostengünstigen Mitteln demenzfreundlich zu gestalten. Letzteres hob der Sozialminister besonders hervor, denn er weiß, dass die Anpassung einer Wohnung im Nachhinein durchaus sehr kostspielig sein kann. Deshalb schwebt ihm eine Wohnberatung vor, die bereits vor dem Bau, dem Kauf oder der Anmietung einer Wohnung ansetzt und die künftigen Bewohner, die Architekten und Bauunternehmer für das barrierefreie Wohnen sensibilisiert. Angesiedelt werden soll die Beratung in der künftigen Dienststelle für selbstbestimmtes Leben, die bereits als Dienststelle für Personen mit Behinderung für Wohnungsanpassungen zuständig ist.

 

Neben den Tipps zur demenzfreundlichen Gestaltung der Wohnung hat die AOK in Zusammenarbeit mit dem europäischen Kompetenzzentrum für Barrierefreiheit (EUKOBA) eine praktische Demenz-Simulation angeboten (siehe Foto im Anhang). Bei einer solchen Übung wird mittels Handschuhen, einer Gewichtsweste und einer Sehbehinderungsbrille das körperliche Alter des Teilnehmers erhöht. Die Kopfhörer und Lichteffekte dienen dazu, ihm das Gefühl einer Demenz nahezubringen. In diesem Zustand sind dann eine Reihe von Aufgaben zu bewältigen.

 

Mit EUKOBA-Präsident Patrick Dohmen vereinbarte der Minister nach einem Selbstversuch eine Vertiefung der Gespräche. Die Sensibilisierungsarbeit von EUKOBA, die auf Selbsterfahrung setzt, könnte ein besseres Verständnis für das Leben mit Demenz für pflegende Angehörige, Pflegebedürftige und die breite Gesellschaft schaffen“, so Antoniadis, der sowohl Privatpersonen als auch Pflegenden den Besuch der Ausstellung empfiehlt.

 

Aufgrund der positiven Resonanz wird aus der ursprünglich bis zum 2. September vorgesehenen Ausstellung nach einer kurzen Umgestaltungsphase eine Dauerausstellung. Interessierte Personen oder Einrichtungen können sich unmittelbar telefonisch an die AOK-Servicestelle Demenz unter der Rufnummer 0049 2461 682200 wenden.