15.12.2016
DSL geht ab 2017 an den Start

Dienststelle für Selbstbestimmtes Leben

In der letzten Plenarsitzung diesen Jahres hat das Parlament der DG das Dekret zur Schaffung der Dienststelle für Selbstbestimmtes leben verabschiedet. Die erweiterte Dienststelle soll in Zukunft ein Partner für alle Menschen sein, die Unterstützung bei der Gestaltung eines selbstbestimmten Lebens brauchen.

1- Wofür steht eigentlich der Begriff DSL? Warum dieser Name?

DSL steht für Dienststelle für Selbstbestimmtes Leben. Wir möchten, dass jeder Mensch am gesellschaftlichen Leben aktiv teilnehmen kann. Egal wie alt er ist, wo er herkommt oder ob er eine Beeinträchtigung hat oder nicht. Die DSL ist DIE Anlaufstelle für die Förderung des selbstbestimmten Lebens in Ostbelgien.

 

2- Welche Aufgaben wird die DSL in Zukunft übernehmen?

Die DSL wird unsere Bürgerinnen und Bürger direkt oder indirekt bei der Entfaltung eines selbstbestimmten Lebens unterstützen.

Direkt: durch Information, Begleitung und Orientierung der Menschen rund um ihren Unterstützungsbedarf. Sei es über Angebote der häuslichen Hilfe, Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit einer Beeinträchtigung, Wohnformen, Beihilfen, Mobilitätshilfen etc.

Indirekt: durch die Bezuschussung von Dienstleistern oder durch die gemeinsame Weiterentwicklung der Angebotspalette mit den Akteuren (Heime, Häusliche Hilfe, Tagesstätten, etc).

Außerdem berät sie die Regierung über die Bedarfsentwicklung in der Bevölkerung.

 

3- Ändert sich etwas für Menschen mit Beeinträchtigung?

Die DSL übernimmt alle bestehenden Aufgaben der Dienststelle für Personen mit Behinderung (DPB) und führt sie wie bisher weiter. Senioren mit Beeinträchtigung müssen künftig nicht zu mehreren Stellen. Im Sinne der aktiven Beteiligung von Menschen mit einer Beeinträchtigung und gegen die gesellschaftliche Ausgrenzung (Inklusion) schaffen wir eine Dienststelle für alle Menschen und keine, die nur für Beeinträchtigte da ist.

 

4- Was ist an der DSL neu?

- Die DSL wird auch für die Senioren zuständig. So wird sie über die Unterstützungsangebote neutral und unabhängig informieren und die Senioren und/oder ihre Angehörigen begleiten. Wird eine Familienhelferin gesucht oder ein Platz in einem Seniorenheim? Was sind die Alternativen zu einem Heim? Die DSL gibt auf diese und weitere Fragen eine Antwort und vermittelt. Außerdem erstellt sie einen Unterstützungsplan für die Senioren.

- Ab dem 1. Januar 2019 wird auch die Einschätzung zum erhöhten Kindergeld für Kinder mit Beeinträchtigung durchgeführt.

- Bisher war die Dienststelle nur im Bereich der Wohnungs-anpassungen tätig. In Zukunft möchten wir deutlich weiter gehen. Die DSL wird künftige Eigentümer von Wohnungen oder Häusern, Bauunternehmer und Architekten für ein barrierefreies Wohnen vor dem Bau/Kauf sensibilisieren. So kann man teure Anpassungen des Wohnraums im Alter oder bei einer Beeinträchtigung genauso wie einen Einzug in ein Heim vermeiden. Wir möchten das Wohnen in den eigenen vier Wänden unterstützen, weil es der Wunsch der Menschen ist.

- Wir möchten das Thema Demenz stärker in den Vordergrund stellen. Deswegen soll die DSL eine Servicestelle Demenz einrichten, um Betroffene oder Angehörige zu informieren und zu beraten.

- Bei der DSL arbeiten auch die Seniorenbeauftragten. Sie haben die Aufgabe, auf Ebene der Gemeinden die lokalen Akteure bei der Entwicklung der Seniorenpolitik zu unterstützen.

- Neben der Beratung der Bürgerinnen und Bürger arbeitet die DSL im Netzwerk mit allen Einrichtungen und Dienstleistern und der Zivilgesellschaft. Sie hat die Aufgabe, den Bedarf in der Gesellschaft zu ermitteln und die Regierung zu beraten.

- Künftig werden alle Mobilitätshilfen bei langer oder dauerhafter Beeinträchtigung von der DSL gewährt. Auch wenn diese Aufgabe neu strukturiert wird, so arbeitet die DSL mit den Krankenkassen zusammen als wichtige Säule zusammen.

 

5- Welchen Hintergrund hat das Dekret?

- Im Rahmen der 6. Staatsreform hat die DG umfangreiche Zuständigkeiten im Seniorenbereich erhalten. Diese Zuständigkeiten sollen mit der Zivilgesellschaft verwaltet werden. Eine Organisation für öffentliche Interessen wie die Dienststelle für Menschen mit Behinderung hat sich hierfür bewährt.

- Bisher wurde Eudomos als Pilotprojekt vom Föderalstaat und der DG gefördert. Das Prinzip der neutralen Beratungsstelle für Senioren hat sich bewährt. Allerdings läuft das Projekt 2018 aus und dem Dienst drohte das Aus. Um die neutrale Beratung und Information aufrecht zu erhalten, wurde die DSL-Reform beschlossen. Außerdem wird das Personal von Eudomos übernommen.

- Um den Überblick für die Bürgerinnen und Bürger über die verschiedenen Dienstleistungen zu garantieren, wird eine einzige Anlaufstelle geschaffen. Das ist bürger- und serviceorientiert und schont Ressourcen.

- Belgien entwickelt sich zu einem Staat mit regionalen Sozialen Sicherheiten. Wir legen bereits jetzt das Fundament für künftige Entwicklungen.

 

6- Warum eine Zusammenlegung von Eudomos und der DPB?

Die neue Dienststelle übernimmt die Aufgaben und das Personal von Eudomos. Es ist somit keine Zusammenlegung von Einrichtungen. Beide Dienste arbeiten bisher in einigen Bereichen eng zusammen. Dies gilt beispielsweise für die Wohnungsanpassungen oder andere Hilfsmittel. Auch sind die Zielgruppen in manchen Bereichen identisch, die mit ähnlichen Methoden und Partnern begleitet werden.

 

7- Welches ist die Zielgruppe der DSL?

Die Dienststelle hat eine klare Zielsetzung, die da lautet:

Dazu beitragen, dass alle Menschen selbstbestimmt ihr eigenes Leben gestalten können.

Diese Unterstützung leistet die DSL für die Menschen mit Unterstützungsbedarf. Das können sein:

1- Kinder, Erwachsene und Jugendliche mit Beeinträchtigung

2- Senioren

3- Langzeiterkrankte

 

8- Wie kann denn dieser Unterstützungsbedarf aussehen?

Hier gibt es eine ganze Bandbreite an Möglichkeiten. So kann ein Mensch

im pflegerischen, sozial-pädagogischen und/oder hauswirtschaftlichen Bereich Unterstützung benötigen.

Hilfsmittel wie ein Rollstuhl aber auch Wohnungsanpassungen beispielsweise durch einen Treppenlift zählen ebenso dazu wie eine berufliche Integration oder finanzielle und administrative Hilfsleistungen.

Als Grundsatz dient hierbei stets, die Ressourcen und Fähigkeiten der Person und ihres sozialen Umfeldes zu berücksichtigen.

 

9- Was bedeutet die Schaffung der DSL für die Person mit Unterstützungsbedarf?

Für den Bürger wird es künftig nur noch einen Ansprechpartner geben. Die DSL bietet maßgeschneiderte Dienstleistungen an.

Die DSL wird die Personen beraten, den individuellen Bedarf ermitteln und auf dieser Grundlage einen Unterstützungsplan ausarbeiten, den sie ebenfalls danach auswerten wird. Zudem nimmt sie eine Simulation der Eigenbeteiligung vor.

Die DSL vermittelt zu den verschiedenen Diensten (Häusliche Hilfe, Heime, Tagesstätten) Außerdem bietet sie in manchen Bereichen auch Dienstleistungen an.

 

10 - Wann wird die DSL ihre Arbeit aufnehmen?

Die DSL geht zum 1. Januar 2017 an den Start. Die Zwischenzeit wurde dazu genutzt, um sowohl bei der DPB als auch bei Eudomos die Weichen für die gemeinsame Zukunft zu stellen, damit ein möglichst nahtloser Übergang zur DSL erfolgen kann.

 

11- Was geschieht mit den Mitarbeitern von Eudomos und der DPB?

Die Mitarbeiter von Eudomos werden selbstverständlich von Beginn an bei der neuen Dienststelle beschäftigt sein. Die Mitarbeiter der DPB sind bereits im öffentlichen Dienst beschäftigt. Ihre Übertragung erfolgt demnach automatisch. Kein Mitarbeiter muss durch den Übergang zur DSL finanzielle Einbußen hinnehmen.

 

12- Wird die DSL nochmal reformiert?

Die neue Dienststelle dient als Verwaltungsunterbau für die Zuständigkeitsübertragungen im Rahmen der 6. Staatsreform und möglicher weiterer Kompetenzübertragungen der Sozialpolitik und der Sozialen Sicherheit von föderaler Ebene an die Teilstaaten.

Selbstverständlich wird die Regierung auch bei der Weiterentwicklung der Unterstützungsmaßnahmen alle relevanten Akteure einbeziehen. Hierzu wird die DSL die Netzwerkarbeit weiterführen, die schon bei Eudomos und der DPB gelebte Realität waren.

 

13-Ist die Schaffung einer neuen Dienststelle eine versteckte Sparmaßnahme?

Keinesfalls. Die Regierung wird der neuen Dienststelle mehr Geld zur Verfügung stellen, was auch mit dem Haushaltsentwurf 2017 deutlich wird. Darin wurde dem Dekret bereits Rechnung getragen. Die Regierung stellt der DSL für das Jahr 2017 insgesamt 11,8 Millionen Euro zur Verfügung, einschließlich der übrigen Finanzierungsmittel verfügt die DSL dann über ein Haushaltsvolumen von 14,767 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die Dotation an die DPB für das Jahr 2016 betrug 10,1 Millionen. Eudomos erhielt neben den 331.000 Euro des LIKIV 84.000 Euro von der DG.

Die Regierung wird die Summe von 331.000 Euro selbst mitbringen, da die föderale Finanzierung 2018 wegbricht. Damit wird die Dotation der DSL 2018 auf über 12 Millionen Euro ansteigen.

 

14- Wer wird die DSL verwalten?

Im Verwaltungsrat der DSL sind Experten, Vertreter der Arbeitgeber, der Gewerkschaften, der Krankenkassen, der Dienstleister, der Zivilgesellschaft und des Ministeriums. Darüber hinaus gibt es verschiedene Netzwerke und Gremien innerhalb der DSL, die Gutachten erstellen, Projektideen ausarbeiten und Empfehlungen aussprechen.

 

15 – Bleibt die DSL in Sankt Vith?

Der offizielle Sitz der DSL wird in Sankt Vith bleiben. Allerdings wird es weiterhin eine Zweigstelle in Eupen geben.